Mit uns könnt ihr rechnen - mit uns müsst ihr rechnen
Referat von Brigtitte Messerschmidt
1. Vorsitzende des Gesamtverbandes für Kindergottesdienst in der EKD e.V.
Eindrücke zum Weiterarbeiten aus dem Workshop bei Praxistag in Goslar
Auf Pinnwänden sind Zitate notiert. Die Teilnehmenden gehen rund und notieren ihre Assoziationen, Antworten und Gedanken zu dem jeweiligen Zitat. Vor den Pinnwänden entwickeln sich Diskussionen.
Leitfragen können sein: Wie wird das Kind hier gesehen? Inwiefern wird es ernst genommen? Was wird über das Kind gedacht, gesagt, entschieden?
1. Ein Kirchenvorstand sagt: "Kinder sind die Kirche von morgen"
- heute!
- Gewiss, aber auch schon Teil der Kirche von heute.
- Deshalb müssen wir die Arbeit mit Kindern fördern.
- Ist doch toll, wenn der Kirchenvorstand so denkt!
- Gut, wenn Kinder Kirche mitgestalten dürfen.
- Theoretisch, nach Statistik, ob die Kinder von heute Morgen noch Interesse haben?
- Der Gedanke ist gut, wenn auch die Tat folgt.
- Kinder sind ein Teil von UNS.
Zum Weiterdenken:
Wer heute Kind ist, ist "morgen" erwachsen. Hat der Sprecher das Kind im Sinn oder den künftigen Erwachsenen?
Wenn es wirklich um "das Kind" gehen soll, muss ich darüber nachdenken, was das Kind heute erlebt, braucht, kann usw. Ist es in unserem Bewusstsein jetzt, so wie es ist, volles Glied der Kirche? Und was bedeutet das dann für unseren Umgang miteinander?
Das andere ist aber auch wichtig: Was ein Kind in der Kirche und Gemeinde erlebt, prägt dieses Kind für ein ganzes Leben. Es ist nicht mehr wegzunehmen. Auch wenn es sich von "Kirche" entfernen mag, bleiben die Erfahrungen. Darum haben wir gerade im Gottesdienst mit Kindern eine große Verantwortung.
Nehmt Euch im Team mal Zeit, Euch zu erzählen, was ihr selbst als Kinder mit Kirche erlebt habt!
2. Bürger haben in einer Wohnstraße ein Schild angebracht:
"Fahren Sie vorsichtig. Hier spielt Ihre Rente."
- Schade, dass man nur über "Geld" die Köpfe anderer erreicht.
- Heißt es nicht eigentlich: Vorsicht! Hier spielt ein kleiner Mensch!
- Kann man nur noch mit Provokationen etwas bewirken?
- So gesehen: eine unbedingt schützenswerte, krisengepflegte Kapitalanlage.
- Schade, dass Menschen sich wichtiger sehen als andere.
- Traurig, dass in den Köpfen der Menschen nur Kapital eine Rolle spielt.
Zum Weiterdenken:
Kind als Kapitalanlage? Kind als Investition? Kind als Leistungsträger? – Das Schild, über das man erst lacht, hält uns einen Spiegel vor: Wie "bewerten" wir einen Menschen?
Was sehen wir im KiGo im Kind? –Wollen wir ihm religiöses Wissen vermitteln? Wollen wir es an Kirche binden? Soll es "an Gottesdienst gewöhnt" werden?
Welche Werte vermitteln wir Kindern? Welche "Leistungen" sollen sie bei uns erbringen? Was bedeuten sie für unsere Zukunft?
Auch die Frage, wie wir in der Gemeinde Generationen verbinden können, stellt sich hier. Oder machen wir mit beim angeblichen "Generationenkrieg"?
Was für ein Schild hängt an unserer Kirchentür? Und welches möchten wir dort hängen haben?
3. Diakon/Gemeindepädagoge:
"Ehrenamtliche in Theologie und Pädagogik fördern? – Dann bin ich nachher überflüssig und werde womöglich eingespart."
- so ein Blödkopf.
- Ohne die Ehrenamtlichen würde ich ganz schön allein dastehen. Danke an alle, die immer mit dabei sind!
- Lieber Miteinander als Gegeneinander!
- Wir könnten noch Mitarbeiter gebrauchen.
- Wie viele Pastoren sind hier? (5 und 7 Diakone)
-Miteinander sind wir nur gut, bez. Besser!
- Womit erreicht man wohl mehr Menschen? Mit Einzelkämpfertum oder gemeinsam?!
- Die Ernte ist groß, aber es gibt wenige Arbeiter.
Zum Weiterdenken:
Für Ehrenamtliche: Die Angst mancher Beruflicher um ihre Stelle ist leider manchmal berechtigt. Wie könnt Ihr deutlich machen, dass Euer ehrenamtliches Engagement nur bestehen kann, wenn es auch beruflich begleitet und gestärkt wird? Und wem gegenüber wollt/könnt Ihr das deutlich machen? Ihr seid in einer starken Position, weil ihr frei seid von Berufsängsten. Darum überlegt, wie ihr gemeinsam dazu beitragen könnt, dass über dem sog. Sparzwang nicht die ganze wichtige und wertvolle Arbeit vergessen wird.
Für Beruflich Mitarbeitende: Die Förderung und Stärkung Ehrenamtlicher ist eine wichtige Aufgabe, für die die Kirche qualifizierte Mitarbeiter/innen braucht. Ist hier vielleicht eine Verschiebung in den Aufgabenstellungen erforderlich und damit auch in Aus- oder Fortbildung? Ehrenamtliche – gerade auch im KiGo – sind erstaunlich oft "Langzeittäter/innen". Mit ihnen gemeinsam lässt sich viel bewegen.
Achten Sie gemeinsam darauf, dass sie nicht gegeneinander ausgespielt und aufgerechnet werden. Ehrenamtliche sind nicht Lückenfüller und Sparschweinchen. Beruflich Mitarbeitende sind mit ihrer Fachkompetenz notwendig.
4. Pfarrer:
"Für so wenig Kinder lohnt sich der Kindergottesdienst nicht mehr."
- ob wir ein oder zwei ... ist einerlei.
- Es lohnt sich definitiv immer!
- Sind es denn noch so viele Erwachsene?
- Werbung zahlt sich aus.
- Wo zwei oder drei in meinem Namen....
- So sprechen nur Beamte. – Die sind wohl an allem Schuld?
- Was ist ein Angestellten besser?
- Vielleicht nur die Form von KiGo
- Es wird am falschen Ende gespart.
- Sind die Kinder nicht die Erwachsenen von morgen?
- Pfarrer: Was sagt Jesus?
- Es lohnt sich für jeden Einzelnen, es sind oft weniger Erwachsene im Gottesdienst.
- Es lohnt sich immer, denn wie sollen sonst Kinder etwas von der Kirche gelernt bekommen. Alles hat einen Anfang.
- Vielleicht liegt es ja nicht an den Kindern, sonder an dem halbherzigen Kindergottesdienst, denn wenn es Spaß macht, kommen auch wieder mehr.
Zum Weiterdenken:
Was bedeutet es für die wenigen Kinder, wenn ihnen vermittelt wird: Ihr seid zu wenig, ihr lohnt nicht? Wenn ein Kind kommt, kommt es ganz und gar. Es kann sich nicht vermehren.
Für Kirche bin ich zu wenig – für Gott bin ich zu wenig?
Wie versteht sich das Team im KiGo? – Feiern wir gemeinsam Gottesdienst? Oder hat eine/r "Dienst" und die anderen bleiben zu Hause, weil sie ja nicht "gebraucht" werden?
Was nötig ist: Ideen, wie Gottesdienst mit wenig Kindern liebevoll und wertvoll gefeiert werden kann. – Sammelt bewusst Gestaltungselemente, die mit wenigen Kindern gut sind, bedenkt die Raumgestaltung oder Sitzordnung. Interessant ist, dass eine der intensivsten Kindheitserinnerungen oft so klingt: "Ich saß bei Oma/Vater... auf dem Schoß und sie/er hat mir eine Geschichte erzählt. Das war wunderschön. Ich weiß nicht mehr, was für Geschichten, aber es war sooo schön." – Warum tun wir uns so schwer damit, solche Zeiten des Erzählens mit wenigen Kindern im KiGo ähnlich zu genießen?
5. Konfirmand nach einem Kindergottesdienst:
"Ich wusste ja gar nicht, dass Gottesdienst so ganz anders sein kann.
Find ich richtig gut."
- Im Kindergottesdienst wird man mit einbezogen, im normalen Gottesdienst nicht!
- Dank an unsere 5 "Jungteamer", die uns seit ihre Konfirmation auch weiterhin im KiGo begleiten!
- Ich hätte mir gewünscht, dass es zu meiner "Konfizeit" auch KiGo gegeben hätte.
- .. und manches aus dem Kigo funktioniert nicht nur mit Konfis sondern auch in der Frauenhilfe... und noch ganz woanders...
- Im Kindergottesdienst wird sich auf jedes Alter konzentriert, darum kommt das dann auch ganz anders den Kindern gegenüber vor!
- Nach einem guten Kigo haben es die Konfirmanden leichter.
- Hey, Konfirmand, dann schau dir mal einen Jugendgottesdienst an, echt cool!
Zum Weiterdenken:
Kindergottesdienst strahlt aus. Das ist ein tolles Kompliment, dass aus diesem Gottesdienst heraus auch andere Arbeitsbereiche Impulse bekommen. Nehmt euch im Team einmal Zeit dafür, dem in Eurer Gemeinde nachzugehen. Auch damit wird der Wert des Kindergottesdienst anderen vermittelbar.
2. Kinder ernst nehmen
- das beginnt ja nicht erst da, wo ein Kind etwas sagt und ich mich mehr oder weniger darum bemühe, zu verstehen, was es meint.
Kinder ernst nehmen
- das beginnt da, wo wir über sie sprechen und wo wir Entscheidungen über Räume oder Zeiten usw. treffen.
Kinder ernst nehmen
– das bedeutet in der Gemeinde, in der Kirche, auch die ehrenamtlich und beruflich Mitarbeitenden ernst nehmen, die mit Kindern Gottesdienst feiern.
Darum blicken wir jetzt auf uns als Mitarbeitende mit den Fragen:
Was brauche ich als Ehrenamtliche/r, damit ich spüre: Ich werde ernst genommen, wenn ich im Kindergottesdienst mitarbeite.
Was brauche ich Hauptamtliche/r, damit ich spüre: Ich werde ernst genommen, wenn ich Kindergottesdienst mache.
Was braucht ihr sozusagen von "außen" – von der Gemeindeleitung, von der Kirche?
Und was könnt ihr euch innerhalb des Teams geben?
Die Teilnehmenden notieren auf Zetteln, was ihnen dazu spontan einfällt.
Die Notizen sind hier unsortiert wiedergegeben.
- Das wir als Team eine "Einheit" sind und auch so auftreten, werden wir ernst genommen. Unser Pastor ist sehr dankbar, dass er uns als Hilfe hat.
- Anerkennung, Akzeptanz, um nicht um alles kämpfen zu müssen.
-Anerkennung von den Hauptamtlichen und von der Gemeinde.
- Ich wünsche mir, dass ich mich auf die Hauptamtlichen verlassen kann (bezüglich ihrer Zusagen)
- dass meine Auslagen ersetzt werden. Ich spende schon meine Zeit.
- Zuspruch und Anerkennung von Pfarrer und Kirchenvorstehern, v. Gemeindemitgliedern.
-Interesse der anderen
- Ich brauche Rückmeldungen von den Kindern bzw. deren Eltern.
- Interesse von Seiten der Gemeinde und des Pastors. (bisher hat sich in unserer Gemeinde kein Pastor so ganz richtig für unsere Arbeit interessiert.
- Dass der Kigo Vorrang hat und nicht die Vermietung des Gemeindehauses für Feierlichkeiten.
- Mehr Klarheit
Ernst genommen werde ich
- durch die Kinder, die den KiGo besuchen
- Durch die Unterstützung des Pastors
- durch ein gefestigtes Team
- durch die Eltern, die Aktionen unterstützen- durch Unterstützung des Kirchenvorstandes ( die fehlt leider)
- Dass sich alle Kindergottesdienstmitarbeiter/innen untereinander respektieren und akzeptieren. Offen für Neues sind und Ideen annehmen.
-Gutes Team in dem jede Meinung zählt und eingebracht werden kann. Unterstützung durch Pfarrerin bei Fragen oder Problemen.
Entgegengebrachtes Vertrauen
- Die Arbeit mit Kindern sollte im Kirchenvorstand etc. genauso wichtig genommen werden wie die Seniorenarbeit.
In unserer Kirchengemeinde sind wir eingutes ehrenamtliches und hauptamtliches Team
Unterstützung von allen Seiten.
Dass meine Ideen in dem Gottesdienst dargestellt werden. Und ich so genommen werde wie ich bin.
Dass man mir gegenüber freundlich ist, dass man Änderungen an meinem Thema vornimmt. Denn so weiß ich, dass auch andere Leute in der Gemeinde sich mit meinem Thema beschäftigt haben.
Ehrenamtliche Kigo-Mitarbeiterin:
- Unterstützung durch den Pastor, Rückmeldung von Eltern und anderen Gemeindegliedern. Ab und zu ein Schulterklopfen.
Ich wünsche mir Unterstützung und Anerkennung auch derjenigen, die de Kirche fern sind.
Mehr finanzielle Unterstützung (um auch vielleicht einmal etwas Größeres im Rahmen des Kigo mit den Kindern zu unternehmen).
- Vertrauen – in das Team – in Gott jemanden, der die Fäden in der Hand hält-
- ein Team, das sich gut versteht.
- das die Kinderarbeit ernst genommen wird.
Sehr zufrieden; wir sind ein tolles Team; jeder einzelnen wird ernst genommen! Auch die Kinder im KiGo
Kinder sagen. Das hat Spaß gemacht. Eltern sagen: Schön, dass es den Kindergottesdienst gibt.
Dass sich mehr ehrenamtliche in unserem Vorstand finden!
Ich wünsche mir, dass unser neuer Pastor uns im Kindergottesdienst besucht und uns bei der Vorbereitung des Kigo mit Rat und Tat zur Seite steht.
Sich auf andere Verlassen können und das auch die anderen, die länger dabei sind, mit denen, die nicht solange dabei sind, zusammenarbeiten und Verständnis von unserer Diakonin.
Was brauche ich..
- jemanden, mit dem ich mich austauschen kann
- Anerkennung, auch durch spontane Mithilfe durch Eltern.
- einen Pastor, der sich wirklich engagiert.
Bessere Zusammenarbeit mit Pastor und evtl. mit Kirchenvorstand.
Ein bisschen mehr Achtsamkeit der Eltern über Mitbringsel aus dem KiGo der Kindern. Themenbearbeitung hin und wieder mit dem Pastor (zwei Jahre Vakanz sind zu lang!)
Ein Kirchenvorstand, der "Raum" gibt, nicht beengt, teilnimmt und sich von der Fröhlichkeit der Kindergottesdienst-Kinder anstecken lässt, dann lässt sich auch gemeinsam Abendmahl erleben.
-Verständnis-Anerkennung
-Ein "Danke" Man kriegt viel von den Kindern zurück, so dass man nicht so viel von draußen braucht.
Sind sehr glücklich.
Gute Zusammenarbeit.
Mir persönlich reicht es, wenn ich spüre, dass die Kinder unseren Gottesdienst klasse finden , es uns zeigen und immer wieder kommen.
Ich bin sehr zufrieden, da wir ein tolles Team sind! ich bin wunschlos glücklich! -Hauptamtliche, die wirklich interessiert sind am KiGo
Menschen, die wissen, was Jesus meinte, als er sagte: Daran soll man erkennen, dass ihr meine Jünger seid, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe.
Mehr Eltern, die den KiGo bejahen
-Kinder, die gerne kommen,
- ein Team, mit dem man gut zusammenarbeiten und diskutieren kann.
- eine Gemeinde, die zahlreich zu den Familiengottesdiensten kommt.
Dass unser Pastor uns mal beim Kigo besucht.
Im Team fühle ich mich gut angenommen und akzeptiert.
- Von den Kirchenvorstehern wird die Arbeit ebenfalls unterstützt. Die Gemeinde erkennt sie an.
-Alleingelassen fühle ich mich von den Verantwortlichen in der Kirche!
Von anderen aus der Gemeinde auch als Mithelfende wahrgenommen werden.
Was mir bei den Notizen auffällt und was ich daraus ableite:
a) Bei den meisten kann man nicht erkennen, ob sie von Ehren- oder Hauptamtlichen geschrieben sind. – Die Bedürfnisse sind offenbar sehr ähnlich. Das macht Mut für die Zusammenarbeit.
b) Viele beschreiben eine Situation, in der sie sich wohl fühlen. – Das freut mich natürlich. – Aber vielleicht kommen diejenigen, die ganz unglücklich sind mit ihrer Situation ja auch kaum zu einem Praxistag...
c) Vertrauen, Anerkennung, Wahrgenommen-werden sind die häufigsten Begriffe. -Kirchenvorstände usw. möchte ich gern dazu anregen, dass sie sich überlegen, wie das konkret aussehen kann. Ich habe den Eindruck, dass damit weniger das Geburtstagsgeschenk gemeint ist, sondern viel eher der Wunsch nach einer interessierten Nachfrage: "Wie geht es euch im Kigo?". Übrigens brauchen auch Menschen, zu deren Beruf der Kigo gehört, Anerkennung. Wird Kigo wirklich als verbindlicher Teil der Arbeit von Pfarrern oder Diakonen anerkannt? Wird die Arbeitszeit dafür ebenso bedacht wie für alle anderen Gottesdienste?
d) Die ganz praktischen Fragen nach dem Umgang mit Kostenerstattung, finanzieller Förderung von Fortbildungen, die Schlüsselgewalt u.ä. kommen in diesen Notizen kaum vor. – Auch der Umgang mit Finanzen und Zuständigkeiten gehört zur Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit. Hier rate ich den Teams, vor Ort ihre Situation zu besprechen und ggf. ihren Bedarf auch anzumelden.
e) Reaktionen der Eltern auf den Kigo werden mehrfach als Wunsch genannt. – Überlegt doch im Team, wo die Eltern dazu eine Chance haben. Gibt es dazu Begegnungsmöglichkeiten, z.B. nach dem Kigo noch Kaffee und Saft für alle, die Zeit haben, in gemütlicher Runde? Nach Predigtgottesdiensten haben viele Gemeinden solche Angebote, u.a. auch weil Kirchenvorstand und Pfarrer/in sich dadurch Kontakt und Rückmeldungen erhoffen. – Warum nicht auch nach dem Kigo?
f) In einigen Äußerungen klingen sehr schwierige Situationen an. – Team ohne Begleitung, alleingelassen. – Solche Situation muss kein Team auf Dauer hinnehmen. Ihr macht eine wichtige Arbeit, ihr übernehmt Verantwortung. Und darum habt ihr auch einen Anspruch darauf, darin begleitet zu werden. Beratet miteinander, wie ihr euren Bedarf auch hörbar macht. Möglicherweise erscheint ihr nach außen als ein starkes, selbständiges Team, man spürt euren Bedarf also gar nicht. Darum sprecht freundlich, aber klar eure Wünsche und Erwartungen an. Wenn das nicht weiterführt, dann holt euch Beratung und Hilfe bei den Beauftragten für KiGo in Eurer Propstei oder bei der Arbeitsstelle Kigo Eurer Landeskirche. In jedem Fall gilt: Sagt, was Euch fehlt! Stummer Rückzug ist keine Lösung!
Zum Weiterdenken
Nehmt die Sammlung von Äußerungen aus der Tabelle zum Anstoß, in Eurem Team über das zu sprechen, was bei Euch gut ist, besser oder anders werden sollte. Achtet untereinander auf Eure Bedürfnisse. Ein Team, in dem Vertrauen besteht, strahlt auch auf die Kinder im Kigo aus.
Habt keine Angst, auch Eure Bedürfnisse zu formulieren:
Mit uns müsst ihr rechnen. Und das heißt: Wir wollen verantwortlich mit Kindern Gottesdienst feiern. Wir wollen es so gut wie möglich tun. Dazu brauchen wir Rahmenbedingungen, die das erlauben. Darum rechnet uns ein im Etat, in der Raumplanung, in der Dienstanweisung.
Die Kinder
In einem 3. Schritt sehen wir nun auf die Kinder.
Worin zeigt sich, dass ich sie ernst nehme?
Was steht dem im Weg oder macht es schwer, dass ich sie ernstnehmen kann?
In Zweier-oder Dreiergruppen stellen sich die Teilnehmenden ein konkretes Kind aus ihrem Kigo vor und überlegen, was dieses Kind konkret braucht, um zu spüren: Ich werde ernst genommen. Auf Blättern notieren die Teilnehmenden ihre Ideen für das konkrete Kind.
Wenn wir mit einem Kind im Kigo allein sprechen können, liegt darin eine Chance, es besser zu verstehen. Die Rolle des Kindes in der Gruppe bestimmt das Verhalten.
- Auf das Kind eingehen
- ernst mit dem Kind reden
- Kinder wollen ernst genommen werden.
Vertrauen Verlässlichkeit
Feste Rituale Zeit / Zuwendung
Mein Kind braucht Liebe, Wärme und Zuneigung, um richtig ernst genommen zu werden oder sich so zu fühlen.
L.– sie kommt aus einer getrennten Familie und will immer im Mittelpunkt stehen. Sie bringt zum Kigo ihr Handy oder so was Ähnliches mit um anzugeben.
Kind soll Kind sein dürfen und muss keine Anforderung erfüllen müssen!
Unser Problemkind kommt seit vielen Jahren regelmäßig und darüber freuen wir uns sehr.
Jedes Kind wird durch einen "Kigo-Paten" wertgeschätzt und aufgenommen.
- Ich muss mir die Zeit nehmen, diesem Kind genau zuzuhören (Es hat einen Sprachfehler und wird aufgrund seiner Größe oft überschätzt) und andere, die "übersetzen" wollen, bremsen.
Ich hab mich neben sie/ihn im Sitzkreis gesetzt.
- Ernst nehmen
- in das Kind hineinfühlen
- Zeit zum Mitteilen geben.
"Aufmerksamkeit"- Das Gefühl, ernst genommen zu werden
.- "was wert sein"
- eine Aufgabe zu haben.
- Teilweise gleichgestellt zu werden
- Nähe Wenn das Kind in einem selbst entscheidet, wie verhalte ich mich einem Kind gegenüber, kann ich mich hineinfühlen und werde dem Kind - denke ich - gerecht, und entscheide richtig.
- Es muss alles langsamer gehen. Mehr Ruhe und Stille im KiGo.
Was mir auffällt
a) Zum Kigo kommen Kinder mit Belastungen und Schwierigkeiten. Das ist gut so! Wir haben nicht die Leistungserwartungen eines Schulfaches oder eines Musik- oder Sportvereines. Wenn Kinder im Kigo erfahren: "Ich darf singen, auch wenn ich krächze; ich darf sprechen, auch wenn ich stammele; ich darf tanzen, auch wenn meine Beine immer durcheinander sind." – Dann ist das unser ganz großer Schatz im Kigo, auch wenn solche Kinder von uns manchmal gute Nerven, Geduld und Ausdauer fordern und uns manchmal auch ratlos machen. Es ist gut, dass sie da sind und dass sie offenbar immer wieder zum Kigo kommen. Das ist ein Markenzeichen und kein Makel! Die Notizen weisen darauf hin, dass dies von den meisten auch so wahrgenommen wird.
b) Überrascht haben mich im Zusammenhang der Fragestellung die Stichworte "Zeit, Ruhe, Stille". Sie sind ein wunderbarer Hinweis: Kinder im Kigo ernstnehmen geschieht nicht unbedingt durch tolle Aktionen und aufwändige Methoden. Manchmal werden vielleicht die Kinder darunter sogar "verschüttet". Kigo kann eine Oase sein inmitten der schnellen, durchorganisierten, terminierten Abläufe, die auch Kinder erleben. Im Kigo ist Zeit zu schweigen und Zeit Worte zu finden. Im Kigo ist Raum für das scheinbar Kleine. Im Kigo sind Menschen, die achtsam sind.
Zum Weiterdenken
Es war spannen zu erleben, dass es im Workshop am "lautesten" wurde, als die Partnergruppen sich von den Kindern erzählten und Wege zu ihnen berieten. – Ein ermutigendes Geschehen! Dann wenn wir das konkrete Kind in die Mitte unserer Überlegungen stellen, werden wir lebendig, mitteilsam und auch kreativ in unserem Nachdenken. – In jedem Team vor Ort kann der oben beschriebene Arbeitsweg umgesetzt werden, sich ein konkretes Kind vor Augen zu holen und bewusst zu bedenken, wie wir ihm angemessen begegnen können. Das kann bei jedem Treffen mit einem Kind versucht werden und die gesamte Situation wird sich verändern. Probiert es mal aus!
Schluss
In dem Workshop konnten wir Themen nur anreißen.
Viele Aspekte lohnen es, daran weiter zu arbeiten.
Diese Zusammenstellung will dazu anregen, vor Ort, im Team, mit Kollegen und Kolleginnen, im Kirchenvorstand die Kigo-Arbeit in den Blick zu nehmen.
Die Arbeit wird immer in der Diskussion bleiben, gerade weil so viele sich darin engagieren und diese Arbeit gut machen wollen.
Ehrenamtliche zu fördern, den beruflich Tätigen diesen Arbeitsbereich zu ermöglichen, den Kindern Raum und Zeit in der Gemeinde zu öffnen, das ist eine ständige Aufgabe, in der Sie von der Arbeitsstelle für Kindergottesdienst in Ihrer Landeskirche begleitet werden.
Der Gesamtverband für Kindergottesdienst in der EKD e.V. bietet Ihnen ebenfalls Unterstützung an und ist verantwortlich für die Gesamttagung für Kindergottesdienst, die alle vier Jahre stattfindet! Sehen wir uns im Mai 2006 in Hannover?!
Das Motto der Gesamttagung ist: Ihr werdet euch wundern!
Es wäre doch klasse, wenn so mancher Kirchenleitungs-Mensch ins Wundern kommt angesichts so vieler engagierter Menschen, die sagen: In der Kirche mit Kindern – Da könnt ihr mit uns rechnen! Und ihr müsst mit uns rechnen. Wir sind unberechenbar, aber verlässlich.
Da könnte der Kirchenleitungsmensch staunend reagieren: Ihr seid unbezahlbar!



setFont(fontSize);